Immer, wenn Du denkst, Du weißt schon alles, ….

IMG_0024akommt von irgendwo die Claudia her.

Das ist mein Fazit des gestrigen Tages, den ich am Schäfersee verbracht habe. Dort befindet sich in der Stargardtstraße eine kleine Dependance der Volkshochschule Reinickendorf: eine Stadtteilbibliothek mit angeschlossenen Seminarräumen, die der kühle Charme der angegilbten frühen 70er Jahre durchweht. Bevor Berlin arm, aber sexy wurde, wohnte dort in einer Einliegerwohnung noch ein Hausmeister, der – sich seiner Lebensstellung offenbar sicher – seine Meerschweinchen und Häschen durch den Treppenflur turnen ließ. Die Wände in den Seminarräumen waren so gelb wie die Dritten von Jürgen Klopp. Bei Ostwind brummen alle drei Minuten Jumbos im Anflug auf den Flughafen Tegel so dicht und gleichzeitig langsam über das Gebäude, dass man mit einem Edding „I was here“ auf die Flügel kritzeln könnte, wenn man auf dem Dach eine Räuberleiter machen würde. In der Teeküche stelle ich einmal im Jahr verschämt á la Babyklappe die zu Hause überzähligen oder ungeliebten Kaffeebecher zum Sterben in den Schrank. Seit Jahren gehen alle Frauen dort wie selbstverständlich aufs Herrenklo, denn es gibt nur zwei – ebenfalls gelbliche – Toiletten und selten männliche Seminarteilnehmer. Trotzdem genieße ich die temporäre Abgeschiedenheit jedes Mal. Das ist so eine Art „Spinnerzone“, ein unreglementierter Raum, den man mit seiner Kreativität füllen kann.

Und nun ist es passiert: Es ist alles besser geworden. Es wurde renoviert. Weiße Wände, neue Toiletten. Gleich fühlt man sich irgendwie weniger marginalisiert mit seinem Bildungshunger. Und das zu Recht, denn selbst nach vielen Jahren als Stammkundin bei der VHS lohnt es sich immer wieder, einen Kurs zu besuchen. Ulkigerweise lohnt es sogar, denselben Kurs mehrfach zu besuchen. Das Gedächtnis lässt ja mit dem Alter nach. Und bis man Dinge in sein aktives Repertoir übernimmt, muss man sie schon mehrmals hören.

An diesem Samstag war unser Thema das Lesetraining für die Schreibwerkschau  am 10.03.2016, 19.30 Uhr, Humboldt-Bibliothek: https://www.vhsit.berlin.de/VHSKURSE/BusinessPages/CourseDetail.aspx?id=391140

Natürlich, wer schreiben kann, kann auch lesen. Aber laut lesen? Das ist eine vollkommen andere Nummer. Versteht das Publikum meinen Text? Trägt denn die Stimme überhaupt? Was ist mit der Präsenz des Lesenden? Stimmen Artikulation, Tonfall und Betonung? Lese ich besser im Stehen oder im Sitzen? Habe ich meine Mimik unter Kontrolle? Wie reagiere ich auf einen Fotografen?

Das konnte ich gemeinsam mit den anderen Vortragenden gestern ausprobieren. Feedback und die Eindrücke aus der Gruppe sowie die fachlichen Hinweise von Kursleiterin Claudia Johanna Bauer führten dazu, dass alle Lesenden im zweiten Durchgang schon wesentlich sicherer und stark verbessert auftraten. Ich beispielsweise habe mich neben allem Lampenfieber von dem Fotografen stark verunsichern lassen. Denken Sie mal darüber nach, ob Haar und Jacke sitzen, und intonieren Sie gleichzeitig wie ein Ernst-Busch-Schauspielschüler. Oder „hart“, also zynisch, wie es in meinem Fall der Text verlangt. Na gut, das Papier in der Hand flattert und knattert wie ein Rahsegel am Wind, trotzdem kommt man irgendwie durch. Aber dann fordert das Publikum auch noch, man möge „noch härter“ aber gleichzeitig „ganz emotionslos“ vortragen … Klingt schwierig und war es auch. Besonders spannend: Einige Texte werden im Dialog oder sogar szenisch vorgetragen. So konnte man eine Mordkommission bei der Vernehmung eines Serientäters beobachten, mit Handschellen, Knarre und allem … ja ja, Leute, zur Mordkommission wollen, aber dann nicht mal das Publikum angucken können 🙂

Das Üben war somit (nicht nur) für mich unbezahlbar! Danke, liebe Mit-Leser, liebe Claudia und liebe Volkshochschule Reinickendorf für einen sehr spaßigen, lehrreichen Samstag am Schäfersee!

 

 

 

Ladies Crime Night

Die Mörderischen Schwestern Berlin laden ein …

und ich bin mit dabei, bei der

 Ladies Crime Night

Die Ladies Crime Night ist ein von den Mörderischen Schwestern entwickeltes und europaweit etabliertes Leseformat.

13 Krimi-Autorinnen lesen exakt 6 Minuten aus ihren Geschichten – dann fällt ein Schuss. Egal, ob der Täter gerade zuschlagen will, oder der Kommissar den Bösen entlarvt … Mörderisch-gute Spannung garantiert.

Sie findet dieses Jahr an einem besonders schönen Ort statt

und zwar am 27.09.2015

um 19.00 Uhr

in St. Marien, Spandau

Aber nicht nur Spannung wird garantiert, sondern auch Jazz vom Feinsten.

Ich freue mich schon auf euch!!!

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