Babyblues …

 

vermietung_spreeterrasseIch habe ein Buch „fertig“. Hurra! Fertig! – Na ja. Fertig ist halt immer relativ. Und will man eigentlich fertig sein? Ich vermisse meine Hauptfiguren. Martin Sanders?! Bleib bei mir! – Ehrlich, dieser Typ geht mir überhaupt nicht mehr aus dem Kopf. Da hilft nur: weiterdenken. Und da kommt dann eine Ahnung von einem weiteren Anfang heraus, und die geht so:

Blue Curacao, rote Wangen, alte Geschichten in Schwarzweiß. Sanders lehnt am Geländer der Restaurant-Terrasse und schaut auf die Spree. Es ist der Abend des 13. August, Libbys Geburtstag und gleichzeitig »Tag des Mauerbaus«. Genau mit dem für diesen Tag typischen Berliner Gefühl, seine zweite wichtigere Hälfte verloren zu haben, läuft die Geburtstagsparty an Sanders vorbei. Er kann die Haltung und Ausstrahlung eines Bundesjustizministers nicht ablegen, selbst in einem Moment, in dem eher die Spritzigkeit eines Viva-Moderators angesagt wäre. So, wie Viktor sie hat.

Der schöne Viktor von Ribnitz lacht und plaudert und flattert um Libby herum wie ein Stylist um ein Topmodel. Auf dem Hemd unter Viktors Sakko steht: I’m Too Sexy for my Shirt. In diesem Typen faucht der Lebensmut wie ein Bunsenbrenner. Sanders‘ Flamme hingegen flackert herbstlich kalt wie der frühe Sonnenuntergang im Schlammgrau der Spree.

Er lässt Viktor nicht aus den Augen. Vielleicht ist das hier nun endlich der Mann, der Libby mit sich fort reißen wird und in dessen Windschleppe sich Sanders‘ Lebenslicht in kalten Rauch verwandeln wird. Vielleicht. Jedenfalls kann von Ribnitz Discofox, Funkelaugen und dieses Geburtstagslachen, als hätte er zufällig Geld in seiner alten Anzughose gefunden.

Jedes Wort hat Folgen. Jedes Schweigen auch. Das ist Jean-Paul Satre, aber außer einem Schluck Single Malt hat Sanders dem heute abend nichts hinzuzufügen.

Sanders sieht herzzerreißend gut aus. Viktor auch. Ich trink noch ein Glas Sekt, ich hab viel Glück gehabt in den letzten 32 Jahren, es ist eine schöne Party, und die beiden bestaussehenden Männer Berlins sind zu Gast – der eine dunkel, der andere lichtblond. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden ist, dass sich für Sanders das Wort »Lebensgefährtin« von »Lebensgefahr« ableitet, während Viktor mir vor zehn Jahren schon mal einen Heiratsantrag gemacht hat. Und heute abend drei weitere.

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