Die Methadon-Liste

Featured imageSie haben die „Machtfrage“ ausgelesen und fragen sich, wie überbrücke ich nur die Zeit bis zum Oktober, wenn der „Märzwinter“ erscheint? 🙂

Hier ein paar schöne Titel, die mir in letzter Zeit Spaß bereitet haben:

Colum McCann, Die große Welt

«Keiner, der über New York schrieb, ist jemals tiefer eingetaucht und höher aufgestiegen.» Frank McCourt
Im Jahr 1974 sind die Menschen in New York müde von Richard Nixon und dem Vietnamkrieg. Sie haben auch so schon Probleme genug in einer Stadt des ewigen Überlebenskampfes. Am Morgen eines schönen Augustsommertags starren die Passanten in Lower Manhattan daher ungläubig zu den Twin Towers hinauf. Fast einen halben Kilometer über ihnen läuft, springt und tanzt ein Hochseilartist – ein schwebender Moment von absoluter Freiheit und künstlerischem Triumph. Doch unten in den Straßen geht das Leben weiter, für die Armen und die Reichen, die Sorglosen und die Unglücklichen Ausgezeichnet mit dem National Book Award

Sloan Wilson, Der Mann im grauen Flanell

Tom und Betsy Rath sind ein junges Paar, sie haben drei gesunde Kinder, ein schönes Zuhause in einem netten Vorort von New York und ein regelmäßiges, wenn auch nicht üppiges Einkommen. Eigentlich haben sie allen Grund, glücklich zu sein. Doch irgendwie sind sie es nicht. Tom pendelt Tag für Tag in die Stadt, wo er einem unspektakulären Bürojob nachgeht – seit er aus dem Krieg zurückgekehrt ist, hat er sich ohnehin verändert, ist verschlossen und launisch. Betsy fühlt sich unverstanden. Nach einem Karriereschritt hat Tom bald keine Zeit mehr für sein Privatleben. Ist es das, was Tom wirklich will? Als er auf einen alten Kameraden aus dem Krieg trifft, gerät sein Alltag vollends aus den Fugen, Tom muss sich seiner Vergangenheit stellen und eine Entscheidung treffen, die sein Leben grundsätzlich verändern wird.
›Der Mann im grauen Flanell‹, im Original 1955 veröffentlicht und sofort ein Bestseller, vermittelt wie wenige andere Romane den Geist der fünfziger Jahre. Zu Recht gilt er als moderner Klassiker und verdient es, zusammen mit den Werken von Richard Yates, John Cheever und Raymond Carver genannt zu werden. Der Buchtitel war so treffend, dass er im Englischen zu einem feststehenden Begriff wurde. Nun liegt der Roman in einer zeitgemäßen deutschen Übersetzung vor.

George MacDonald Fraser, Flashman und die Rothäute

Der größte Schuft der Geschichte zeigt, wie der Westen wirklich gewonnen wurde. (New Yorker)

Der 7. Flashman ist so erfrischend wie der erste. (The Times)

Vor allem aber ist er ein sagenhafter Augenzeuge, ein phantastischer Chronist. Denn mit dem gleichen heiter-zynischen Freimut, mit dem er von seinen eigenen Schändlichkeiten berichtet, zieht er auch – er hat sie ja in 50 unrühmlichen Jahren widerwillig erduldeten Soldatentums zur Genüge studieren dürfen – über die schmutzige Historie und die großen Akteure seines Jahrhunderts her. (Der Spiegel)

Harry Flashman in Nordamerika, wo er mit einem Planwagenzug – der ein Bordell auf Rädern ist – nach Westen zieht. Wild Bill Hickok, der Apachen-Häuptling Geronimo, Kit Carson und Crazy Horse werden zu seinen guten Bekannten und mit General Custer reitet er in Richtung Little Bighorn. Es gibt ein Wiedersehen mit Susie, der Bordellmutter aus New Orleans und ihren Schützlingen. Dramatisch und voller Spannung – und mit einer realistischen Darstellung der Handlungsweise der Indianer.

Gary Dexter, Der Marodeur von Oxford

London, 1892. Henry St. Liver und Olive Salter haben mit jeder Menge mysteriöser Ereignisse und beunruhigender Vorfälle zu tun: Exhibitionistische Adlige, diebische Nonnen, verschwundene Ritualgegenstände, marodierende Wesen unklarer Spezies und reichlich seltsame Gourmets bevölkern eine rätselhafte Welt, gegen die sich die simplen Verbrecherjagden der Kollegen Sherlock Holmes und Dr. Watson durchsichtig und eindimensional ausnehmen … St. Liver und Salter treiben sich in den unwahrscheinlichsten Gegenden der Psychopathia sexualis herum. Oscar Wilde hat ebenso seinen Gastauftritt wie Edgar Rampoe, der Erfinder der japanischen Kriminalliteratur. Very sophisticated, sehr witzig, manchmal schön geschmacklos und sprachlich ausgefuchst. Penser Pulp für skeptische Freudianer, Conan Doylisten und Iwan-Bloch-Fans.

Auch mit viel Freude habe ich gelesen (eher vier Sterne als fünf):

Nic Pizzolatto, Galveston

Der in New Orleans und später in der texanischen Hafenstadt Galveston angesiedelte Roman von Nic Pizzolatto, dem Drehbuchautor der gefeierten HBO-Serie True Detective, schildert in der Tradition von Jim Thompson und Charles Willeford die Läuterung des Syndikat-Killers Roy Cady, dessen Leben eine abrupte Wendung nimmt, als ihm vormittags Lungenkrebs diagnostiziert wird und sein Boss ihn abends wegen einer Eifersuchtsgeschichte umlegen lassen will. Bei dem Anschlag rettet er nicht nur sich, sondern auch einen Teenager, mit dem er sich fortan auf der Flucht befindet. Pizzolatto belebt das Genre des Krimi Noir neu und schafft mit Roy Cady eine Figur, die die Genre-Stereotypen nicht nur aufbricht, sondern auch stilprägend werden könnte. Ein Antiheld, der im Scheitern zu wahrer Größe findet, eine Story, die einen bis zur letzten Seite fesselt: Pizzolatto hat mit »Galveston« ein großartiges, trauriges und kraftvolles Buch geschaffen, das lange nachklingt.
»Galveston ist eine Verneigung vor dem Genre des Noir-Krimis […]. Inmitten der größten Depressionen und fiesesten Kater, die seine Geschichte pflastern, zaubert er für [die Figuren] Momente schönster melancholischer Anmut.« Süddeutsche Zeitung
»Galveston von True Detective-Schöpfer Nic Pizzolatto liest sich wie ein Prequel zur grandiosen Serie: düster, gewalttätig, zutiefst menschlich.« Literarische Welt
»Virtuos, geschmeidig, großes Krimihandwerk, philosophisch auf der Höhe der Zeit … Amerikanisches Story-Telling auf höchstem Niveau.« Deutschlandfunk
»Pizzolatto schreibt geniale Romane [ … ] sehr lesenswert.« NEON
»Galveston erinnert in seiner Authentizität und furchtlosen Menschlichkeit an die schönsten Beispiele des Noir« New York Times
»Ein großartiges, unfassbar trauriges, aber sehr kraftvolles Buch.« Krimi Welt

William McIlvanney, Laidlaw

Als die Leiche einer jungen Frau im Kelvingrove Park in Glasgow gefunden wird, beginnt für Detective Jack Laidlaw ein tödlicher Wettlauf mit der Zeit. Denn in dieser Stadt voll harter Männer, mächtiger Gangster und skrupelloser Geschäftemacher ist nicht nur der charismatische Detective auf der Suche nach dem Mörder. Hier will sich keiner die Geschäfte verderben lassen, hier haben die Gangster einen eigenen Begriff von Moral und hier schweigen die Väter und sinnen nach Rache. Und Jack Laidlaw weiß, dass er den Mörder zuerst finden muss, wenn er einen weiteren Mord verhindern will … William McIlvanneys Romane um den legendären Ermittler Jack Laidlaw sind in Großbritannien schon lange Kult und gehören schlicht zum Besten, was Kriminalliteratur zu bieten hat.

Sechs Sterne … und mein persönlicher Favorit des letzten und vorletzten Jahres:

Nathan Larson, 2/14: Ein Dewey-Decimal-Roman

14. Februar: Am Valentinstag ist New York durch eine Serie von Anschlägen zerstört worden. Die Bevölkerung ist dezimiert, die Behörden sind korrupt, außer Kontrolle geratene bewaffnete Einheiten haben die Macht übernommen. Dewey Decimal, der letzte Verwalter der »New York Public Library«, bewahrt Stil und Haltung, auch wenn er bis an die Zähne bewaffnet ist. Er war einmal Soldat, mehr weiß er nicht, denn seine Erinnerung ist manipuliert. Seine Fähigkeiten zu kämpfen und zu töten sind optimiert. Sein Sinn für Gerechtigkeit und seine Neurosen haben System. Und sein Sinn für Sprache und Witz ist ein weiterer Bestandteil seines Waffenarsenals. Als er von der Stadtverwaltung auf eine osteuropäische Gang angesetzt wird, beginnt ein Trip durch die apokalyptische Stadtlandschaft, bei dem sich mafiöse Verstrickungen bis in höchste Regierungskreise offenbaren. Mit Dewey Decimal werden die Leser in rasantem Tempo durch die Handlung gejagt, als befänden sie sich in einem Ego-Shooter-Szenario, in dem nichts ist, wie es scheint. Eine sprachmächtige, in die Zukunft geworfene Erneuerung des »Noir«.

Nathan Larson ist Musiker, der Rhythmus dieses Textes ist ATEMBERAUBEND, und wenn ich das schon sage, glaubt es einfach. Ich empfehle dringend die deutsche Übersetzung, weil der Text so dicht ist, dass man sonst die Hälfte nicht mitbekommt. Das Buch ist Teil 1 einer Serie von 3.

Und noch etwas anderes, vielleicht liest ja auch einer mal einen Comic (auch eine Serie):

Saga

von Brian K. Vaughan (Autor), Fiona Staples (Illustrator)

Romeo und Julia trifft auf Star Wars: SAGA kommt! Der nächste Comic-Hit aus den USA nach THE WALKING DEAD landet diesen Sommer in Deutschland. SAGA erzählt die Geschichte eines jungen, naiven Paares, das sein erstes Kind bekommt … und zwar eins, mit zwei kleinen Hörnern und Flügeln! Aber das ist noch das Gewöhnlichste in diesem vor genialen Ideen, einzigartigen Figuren, fantastischen Orten und nie dagewesenen Wendungen sprühenden Comic! In SAGA geht es um die frischgebackenen Eltern Alana und Marko, die mit ihrer neugeborenen Tochter dem jahrzehntewährenden Krieg entkommen wollen, von dem der Rest der Galaxis besessen zu sein scheint. Beide stammen von verschiedenen Spezies ab und sind Soldaten der jeweils gegnerischen Fraktion und doch kämpfen die zwei Liebenden mit allem was sie haben gegen das System und für das Überleben ihrer Tochter, die den politischen Führern beider Seiten ein Dorn im Auge ist. Der Startschuss für eine Odyssee, die man nicht mehr so schnell vergessen wird!

(alle beschreibenden Texte aus Amazon)

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