Das ist ein Krimi-Blog: Sie haben ein Recht auf einen Mord!

Hier kommt eine Leseprobe aus Liberty Vale Teil 2, Mord Nr. 2 (so, und wer diese Idee klaut, der muss mit allem rechnen):

P_G_FHBII-P_F_#SALL_#AID_#V2Die Nacht von Sonntag auf Montag. Kaplan beobachtet den Wecker. Dann dämmert er weg, träumt, jemand will ihn von hinten erdrosseln. Er schüttelt ihn ab, dreht ihn um, sieht das Gesicht: Er ist es selbst.
Um halb drei wecken ihn Katzenkotzgeräusche aus der Küche. Mechanisch nimmt er die Stabtaschenlampe vom Nachtisch, wischt er im Dunkeln gallig-gelbe Breckies zusammen. Bringt es nicht über sich, das Licht anzumachen. Nicht deswegen.
Kaplan legt die Taschenlampe auf den Küchentisch, setzt sich. Die Lampe rollt ein wenig hin und her, der Lichtpunkt taumelt über die Wand. Kaplan raucht. Hört auf das Knistern des verglimmenden Tabaks. Starrt die Nacht an. Die Katze sitzt neben dem Stuhl, gelbäugig, in ihren Schwanz gewickelt, und schweigt.
Kurz nach drei. Auf dem Küchentisch schüttelt sich Kaplans Handy. Eine SMS vom Stanzki: »Zweite Leiche. Sofortobduktion. Komm hin.«
Kaplan drückt die Zigarette in den vollen Ascher. Das Deckenlicht schmerzt. Augen wie Stichwunden. Er rasiert den abgewrackten Vampir, den er im Spiegel sieht. Auf dem Weg zum Auto wirf er die Katzenkotze in die Mülltonne. Ob Passivrauchen Katzen schadet?
Das helle Licht und die Sachlichkeit in der Pathologie machen Kaplan endgültig wach. Benito Stanzki ist schon da, der neue Arzt auch. Dr. Arentz. Und knallwach ist der.
»Mal was anderes!«, strahlt er und zeigt auf die Leiche.
Die liegt auf dem Bauch, den Hintern voller blauer Flecken. Und aus dem Arschloch ragt eine Klobürste. Halber Stiel und Bürste. Sieht aus wie ein Witz.
»Wer ist das?«, fragt Kaplan.
»Oliver Schwarz«, sagt Stanzki. »Der Makler.«
Am Anfang seiner kriminellen Laufbahn, denkt Kaplan, sollte man ein Praktikum als Gerichtsreporter machen. Da hört man, was es alles schon gibt, was sich nicht lohnt und was man nochmal versuchen könnte. Polizisten beißen zum Beispiel kommt oft vor und bringt nichts. Klobürste im Arsch hat Kaplan noch nie gesehen. Macht Eindruck.
»Ziehen Sie das Ding raus«, sagt er zu Arentz. »Sonst fang ich an zu lachen.«
Der schüttelt den Kopf. »Sehen Sie hier direkt am Schließmuskel das Graue? Das ist nach erster Analyse Verbundankermörtel.«
»Muss ich das goggeln?«
»Zweikomponetenmörtel für Schwerlastdübel. Das Zeug ist in Glaspatronen, die wie Reagenzgläser aussehen, gefüllt mit Harz, Härter und Quarzsand. Der Täter hat ihm die Patrone in den Anus gesteckt und ihm so lange in den Hintern getreten, bis das Glas zerbrochen ist. Dann hat er ihm die Klobrüste reingerammt und gewartet, bis der Mörtel aushärtet. Das dauert so ’ne halbe Stunde.«
»Muss tierisch wehgetan haben«. Stanzki windet sich.
Kaplan will rauchen, unbedingt. »Wie lange ist das her?«
»Das mit dem Mörtel, vielleicht einen Tag. Gestorben ist er daran nicht. Sondern erstickt, an dem Montageschaum, den wir in Mund und Nase gefunden haben.«
»Da war einer sauer.« Kaplan sieht Stanzki an.
Stanzki zuckt die Schultern. »Handwerker? Oder Klofrau?«
»Witzig.« Arentz schiebt Kaplan beiseite. »Jetzt präpariere ich Ihnen erstmal den Darm.«
Kaplan wirft ein Nikotinkaugummi ein. Irgendetwas Offensichtliches stimmt hier nicht. Mit Nikotin kann er besser denken. »Wer macht sowas, Stanzki?«
»Mieter, die er schikaniert hat«, sagt Stanzki. »Investoren, denen er Schrottimmobilien angedreht hat. Handwerker, die er nicht bezahlt hat.«
Kaplans Gehirn liegt ihm im Kopf wie ein Sack Zement. Dann weiß er plötzlich, was dem ganzen Arrangement fehlt: die Ernsthaftigkeit. »Wo habt ihr ihn gefunden?«
»Nordgraben. Hing in den Büschen.«
»Ich glaube, wir suchen zwei Täter«, sagt Kaplan. »Der mit der Klobürste, der Witzbold, der wollte unserem lieben Herrn Schwarz nur wehtun. Dann kam der zweite Täter hinzu, nutzt die Gunst der Stunde und gibt ihm mit dem Bauschaum den Rest.«
»Also Klofrau und Handwerker?«
Der Fall passt zu Kaplan wie Katzenkotze auf kandierte Ananas. Benito Stanzki auch. Aber Kaplan kann weder singen noch tanzen, und irgendeinen Job muss er machen.

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