Manchmal muss es einfach Mord sein

IMG_20150116_203503Es gibt doch so viele nette Themen wie die Tulpenblüte in Holland und auch so viele nette Alltagshelden wie zum Beispiel den Hustinettenbär – warum also über Mord schreiben? Krisen sind Chancen. Weiß man ja. Der Tod ist auch eine. Für die, die ihn überleben: die Ermittler, die Angehörigen, die sonstigen Kulissenschieber. Die können sich gruseln, wandeln oder läutern. Jedenfalls sollte der Leser denken: Oh je, das hätte mir auch passieren können. Und dann kämpft das Gute gegen das Böse. Das Böse scheint zu obsiegen, weil es sich nicht an die Regeln halten muss. Aber dann, nach 300 oder so Seiten, stellt die gottgleiche Autorin die Ordnung der Dinge wieder her. Puh, Erleichterung allerseits. Der Krimi hat Tröstungspotenzial, sagt die Literaturwissenschaft. Somit ist Krimis Lesen ein reinigendes Feel-Good-Ritual, wie Duschen oder Autowaschen. Dabei gelten feste Regeln: Der Leser möchte keine Überraschungen erleben. Sondern unterhalten werden. Komplexe Plots, ein offenes Ende, der Mörder entkommt – vergiss es. Der Innovationsdruck lastet auf den Schauplätzen (gerne die Eifel oder ein geschlossener Schauplatz wie eine Insel, ein Schiff, West-Berlin) und den Ermittlern. Kommissar Zufall, Ermittler mit Waschzwang, sogar alte Frauen oder Kindergartengruppen ermitteln so zäh wie erfolgreich im Namen der Gerechtigkeit. Persönlich sehe ich lieber dem unbestechlichen Privatdetektiv auf der gemeinen Straße zu: “Down these mean streets a man must go who is not himself mean, who is neither tarnished nor afraid. He is the hero; he is everything. He must be a complete man and a common man and yet an unusual man. He must be, to use a rather weathered phrase, a man of honor—by instinct, by inevitability, without thought of it, and certainly without saying it. He must be the best man in his world and a good enough man for any world.“ – Raymond Chandler

Der beste Mann der Welt, darunter machen wir Krimischreiber es nicht. Und noch was: Vom Krimischreiben soll man am Ende des Tages leben können. Verbrechen zahlt sich aus. Hoffentlich. Mittelfristig. Und wenn nicht, dann fühlt man sich zumindest getröstet.

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