Riesen Erfolg: Schreibwerkschau special 2017!

IMG-20170715-WA0007Trotz starker Konkurenz durch das Tegeler Hafenfest haben wir bei der gestrigen Schreibwerkschau special 2017 im Rahmen der Reinickendorfer Schreib- und Lesetage am gestrigen 15.07.2017 wieder 70 Besucher gehabt.

Danke an die Humboldt-Bibliothek, dass wir da zu Gast sein durften. Danke an alle freiwilligen Helfer, die für Moderation, Ton, Musik, Buffet und Büchertisch gesorgt haben!

Zur Feier dessen möchte ich mal in einen Lobgesang auf die Volkshochschule Reinickendorf ausbrechen. Und zwar in ungewöhnlicher Weise. Seit Jahren singen wir auch zusammen und haben eine Hymne für den Kurs „Writer’s Coaching“ (Donnerstagskurs) geschrieben: Kurs Must Go On, gesungen zur Melodie von Queens „Show Must Go On“. Hier kommt der Text, und jetzt alle zusammen:IMG-20170715-WA0005

Kurs Must Go On!

Kurs Must Go On Songtext

Empty spaces – nothing we’ve seen before
Abandoned places – not in our Kurs no more
On and on!
Does anybody know what we are writing for?

IMG_2087Another writer – another mindless book.
Behind the curtain, don’t you dare to look.
Hold the pen!
Does anybody want to take it anymore?
Kurs must go on!
Kurs must go on!Yeah!
Inside my heart is breaking,
My writing may be faking,
But my smile, still, stays on!

Whatever happens, I’ll have to stop grovel.
Another heartache – another failed novel
On and on…
Does anybody know what we are writing for?
I guess i’m learning
I must be better now..
I’ll soon be turning, round the corner now.
Outside Dan Brown is breaking,
But inside in the dark I’m aching to be HIM!

IMG_2079Kurs must go on!
Kurs must go on! Yeah,yeah!
Ooh! Inside my heart is breaking!
My writing may be faking…
But my smile, still, stays on!
Yeah! oh oh oh

My story is painted like the wings of butterflies,
Fairy tales of yesterday, will grow but never die,
I can fly, my friends!

Kurs must go on! Yeah!
Kurs must go on!
I’ll face it with a grin!
I’m never giving in!
On with the Kurs!

I’ll top the bill!
I’ll overkill!
I have to find the will to carry on!
On with the,
On with the Kurs!

Kurs must go on.


 

Advertisements

Premiere für den „Mitternachtsnotar“

 

IMG_1779

Claudia Johanna Bauer (l) moderierte meine Premierenlesung des „Mitternachtsnotars“

 

Manchmal werden Träume wahr.

20.04.2017, 19:30 Uhr: Ich durfte in der Tegeler Humboldt-Bibliothek, in der ich seit über 10 Jahren den „Writers-Coaching“-VHS-Reinickendorf-Kurs von Claudia Johanna Bauer besuche, die Premierenlesung nach Erscheinen meines neues Berlin-Krimis „Mitternachtsnotar“ halten. Und als Krönung hatte Claudia auch noch angeboten, den Abend zu moderieren.

Die Veranstaltung wurde durch die Bibliothek, den Verlag, Claudia und mich mit viel Einsatz beworben, sowohl in der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung als auch in der Berliner Woche und auf vielen lokalen Internetseiten war der Termin erschienen. Es war deshalb unheimlich voll, ich schätze, 100 Leute waren bestimmt da. Ich saß vorne hinter dem Lesetisch und sah dabei zu, wie sich der Saal füllte und dachte die ganze Zeit voller Dankbarkeit und Demut an eine Lesung von Peter Henning („Ein Deutscher Sommer“), bei der wir vor ein paar Jahren in der HuBi mal sechs (6) Leute waren. Und „Deutscher Sommer“ war immerhin ein Buch, das in der Zeit besprochen worden ist.

Claudia als Moderatorin, das war natürlich ein Sechser im Lotto, denn das verlieh der Veranstaltung einerseits ein „Qualitätssiegel“, andererseits war es ein belebendes Element, nicht nur die typische „Wasserglas-Lesung“ abspulen zu müssen, sondern auch noch eine Diskussion folgen lassen zu können.

Zur Einführung las Claudia meinen „Krimi-Lebenslauf“ vor, einen auserzählten Text, mit dem ich mich dem Publikum vorstelle und in dem hoffentlich klar wird, dass Moabit hart macht und wie Schreiberlinge ticken. Wer nicht schon zig Preise gewonnen hat und mit der Aufzählung derselben Eindruck schinden kann, muss sich halt etwas anderes einfallen lassen, damit die Veranstaltung in Schwung kommt und der Spannungsbogen steht. Dann las ich etwa 40 Minuten vom Anfang des Krimi-Textes und lieferte vor der Pause auch noch eine Leiche: Der Hausmeister baumelte am Dachbalken – es war schließlich eine Krimilesung, das Publikum hatte ein Recht auf eine Leiche!

In der Pause konnten die Zuhörer sich dann an einem Büchertisch der Tegeler Bücherstube mit Lesestoff eindecken. Davon wurde nach meiner Beobachtung auch reichlich Gebrauch gemacht und alles, was mir hingehalten wurde, wurde von mir  gnadenlos signiert :-). Vielen Dank an die Tegeler Bücherstube für den Büchertisch mit allen meinen Büchern, sah toll aus!

Das Beste an der Pause war ein Catering-Stand, der aus der Privatinitiative von Bianka heraus entstanden und durch viele freiwillige Helfer aus allen VHS-Kursen tatkräftig unterstützt wurde. Dafür kann ich mich gar nicht genug bedanken!

Nachdem alle vom Rotwein gekostet und geplaudert hatten, war die Pause auch schon vorbei. Ich las noch die Duschszene (mit nacktem feuchtem Detektiv). Dann wurden sowohl von Claudia als auch aus dem Publikum eifrig Fragen gestellt und es entwickelte sich eine muntere Diskussion. Zum Beispiel über die Konstruktion der Hauptfiguren und über das Thema des Krimis (es ist die Gier).

Am meisten gefreut habe ich mich über die breite Spanne von mir bekannten und unbekannten Zuhörern. Der Jaron-Verlag war durch meine Lektorin Frau Hambitzer vertreten. Von der Familie, den VHS-Kursen über die alte Schulfreundin bis zum Kegelverein meiner Mutter und den Nachbarn waren alle da, aber eben auch viele, viele, die ich bis dato noch gar nicht kannte.

Vielen Dank für Eure Unterstützung, es war ein toller Abend, der im Nu vorbei ging und mir Spaß gemacht hat. Mein besonderer Dank geht an die Humboldt-Bibliothek und Frau Claudia Arndt. Es ist eben nicht selbstverständlich, dass man so eine Chance bekommt! Danke, dass Sie den ortsansässigen Kulturschaffenden ein offenes Haus und einen wunderschönen Rahmen für ihre Werke bieten.

Ich wünsche mir, dass die Lesung der Auftakt zu vielen tollen Veranstaltungen in diesem Sommer mit dem „Mitternachtsnotar“ gewesen ist. Nächster Lesungstermin ist im Berliner Süden, am 14.06.17 um 19 Uhr im MoosGarten Kultur Café (https://www.moosgarten-kultur.com).

Link zu meinem Krimi:

http://www.jaron-verlag.de/neuerscheinungen.html

Mein Lieblingsort in Tegel:

https://www.berlin.de/stadtbibliothek-reinickendorf/

Wie ich mich vor jeder Lesung fühle (siehe unter „Proktophantasmist“):

https://de.wikipedia.org/wiki/Spuk_von_Tegel

Sehen wir uns beim nächsten Mal? – Ich würde mich sehr freuen!

Der „Mitternachtsnotar“ kommt: Interview mit ABS

Die Bloggerin Ann-Bettina Schmitz hat mir im Vorfeld des Erscheinens des „Mitternachtsnotars“ ein paar spannende Fragen gestellt! Danke! Ihren Blog findet Ihr hier: http://lesen.abs-textandmore.de/

Auch heute habe ich wieder eine Krimiautorin zu Gast. Diesmal kommt mein Interview-Gast aus Berlin.

Guten Tag Bettina Kerwien.

Grüß Dich, Ann-Bettina Schmitz. Schöner Name übrigens 🙂

Dein neuester Krimi „Mitternachtsnotar“ soll Ende nächsten Monats erscheinen. Kannst du uns schon etwas darüber verraten?

Der »Mitternachtsnotar« thematisiert eine furchtbare Entwicklung überall in Berlin, nämlich die sogenannte Gentrifizierung. Als das an der Uni Thema war, dachte ich immer, das ist ein US-amerikanisches Problem. Schließlich ist Kreuzberg ja nicht Manhattan. Aber die Zeiten ändern sich. Aus Kreuzberg wird Kreuzkölln, und aus »Eigentum verpflichtet« wird Gewinnmaximierung. Aus Gründen der Gier und, weil der Immobilienmarkt es eben derzeit hergibt, arbeiten Eigentümer von Wohn- und Gewerbeimmobilien in Berlin in den letzten Jahren erfolgreich an ihrer Rendite. Das klingt immer so abstrakt, aber in meinem Bekanntenkreis ist es passiert: In der ganzen Nachbarschaft wurden Modernisierungsankündigungen zugestellt, mit Wärmedämmung, neuen Fenstern, neuer Heizung, neuen Bädern (freistehende Wanne), Wintergarten und allem Schnickschnack, und man sollte statt EUR 500 plötzlich EUR 2.500 Miete bezahlen. Dann ist da ein Gefühl von Hilflosigkeit, Entwurzelung, Angst und Existenzbedrohung. 500% Mieterhöhung, da hat der eine Panik, der andere hegt vielleicht sogar Mordgedanken … Jedenfalls steht viel auf dem Spiel.

Aber der »Mitternachtsnotar« ist auch eine Liebesgeschichte. Privatdetektiv Martin Sanders hat Angst vor dem, was er für die freche Escortlady Liberty Vale empfindet. Natürlich sind sie Freunde. Sanders redet sich ein, ihm reiche das, aber Liberty findet, dass Männer und Frauen keinesfalls »nur Freunde« sein sollten – die Evolution hat das doch gar nicht so vorgesehen!

Du bewirbst „Mitternachtsnotar“ ebenso wie seinen Vorgänger „Märzwinter“ als Berlin-Krimi. Berlin scheint als Handlungsort für Krimis sehr beliebt zu sein. Hast du eine Erklärung dafür? Was ist an diesen beiden Krimis so typisch berlinerisch?

Jetzt könnte ich natürlich sagen: Berlin ist halt voller Verbrecher! Würde ich so falsch liegen? Wer weiß. Übrigens hat mein Agent mal eine Absage von einem Verlag für einen meiner Texte bekommen mit der Begründung, Berlin hätte sich als Krimischauplatz nicht bewährt. Aber das war wohl tatsächlich eher eine Einzelmeinung.

Ich schätze, dass so viele Krimis in Berlin spielen, weil es noch aus Mauerzeiten eine »Frontstadt« ist, ein Schwellenort, ein Tor in eine andere Welt, da kann man sich viel vorstellen. Die neue Architektur ist einerseits messerscharf, aber auf dem RAW-Gelände zum Beispiel sieht es aus, als wäre der Krieg erst seit gestern zuende gegangen. Man spricht vom gläsernen und vom steinernen Berlin. Die Leute mögen Döner und den billigen Jägermeister aus den Spätis sowie wüste Techno-Clubs mit unwägbarem Türpersonal. Wer noch nie in New York war, könnte glatt denken, Berlin sei voller skurriler Irrer, die mit ihrem Pony U-Bahn fahren. Nicht alles habe ich mir ausgedacht.

Zu den Möglichkeiten des Schauplatzes Berlin gehört auch, dass die Stadt unfertig und unübersichtlich ist, inszenierte Individualität trifft auf unfreiwillige Anonymität. Man kann gut verschwinden, untertauchen. Man kann alles haben oder nichts. Realitäten prallen aufeinander. Berlin ist die Stadt der Kontraste, es gibt das ganze Spektrum, die ganz Armen und die ganz Reichen. Es gibt auch die unterbesetzte und überforderte Polizei, die im »Mitternachtsnotar« geschildert wird. Das sind alles Standortvorteile für Verbrecher.

Mein Buch »Märzwinter« spielt in Berlin-Mitte, in Moabit. Im Moabit nennen sie es einen Moabit-Krimi. Weil die Hauptfiguren dort wohnen, und die Leute bei den Lesungen lachen, wenn sie die Straßen, Geschäfte und Gebäude wiedererkennen. Eine Pizzeria, die unter anderem Namen im »Märzwinter« vorkommt, hat sich trotzdem erkannt und mir im letzten Jahr eine Lesung angeboten. Das war eine der besten Lesungen, die ich je hatte. Wirklich am Originalschauplatz. Der Wirt hat immer wieder gesagt: »Sie müssen schon mal hier gewesen sein!« – dabei hatte ich alles im Internet recherchiert.

Na ja, moderne Zeiten. Zum Thema Berlin bin jetzt glatt ins Plaudern geraten. Hast Du’s gemerkt? Ick liebe meine Stadt.

In deinem ersten Krimi „Machtfrage“ geht es auch um politische Zusammenhänge in Bezug auf die RAF-Terroristen. Was interessierte dich an der RAF so, dass du einen Krimi rund um dieses Thema geschrieben hast?

Eigentlich wollte ich nur das Geld. Das Geld der RAF-Terroristen aus ihren Banküberfällen. Es gab oder gibt ja diese sogenannten »Erddepots«, in denen die RAF-Aktivisten Geld, Waffen, Munition, Briefpapier usw. versteckt hatten bzw. haben. Nur einige wenige dieser Depots wurden je von der Polizei gefunden. Die restlichen sind da draußen noch irgendwo, gut gefüllte Erdlöcher im Wald oder sonstwo, und warten auf ihre Entdeckung.

In der »Machtfrage« geht es mir vor allem um eine Stiftung, die sich mit korrupten Lokalpolitikern anlegt. Um die Stiftung mit genügend Kapital auszustatten, wollte ich nicht den üblichen Lottogewinn oder die abgenuddelte Erbschaft. Ich lasse einen der Stiftungsgründer zufällig ein Erddepot finden. Mit dem Geld spekuliert er dann an der Börse, als er genug zusammenhat, gründet er die Stiftung.

Das andere spannende Thema in dem Text ist: Was macht der Terrorist, wenn er feststellt, dass die Revolution nicht stattfinden wird? Arrangiert er sich mit der nie gewollten Lebenswirklichkeit und wird sentimental und bürgerlich-privat? Oder geht er unter mit einem letzten großen Knall? Im Buch entscheidet sich Ex-RAF-Mitglied Michael Glass für ein Ende mit Schrecken und will den Berliner Reichstag in die Luft jagen.

Jeden deiner Krimis hast du bei einem anderen Verlag herausgebracht. Warum das denn?

Das war leider keine freiwillige Entscheidung. Der Gmeiner-Verlag kaufte die Rechte an der »Machtfrage«, wollte dann aber erst den Erfolg des ersten Buches abwarten, bevor er das zweite Manuskript annimmt.

Ich schrieb aber natürlich weiter, das nächste Manuskript lag bald fertig da, und der »Märzwinter« verkaufte sich unerwartet schnell an den Sutton-Verlag. Wir mussten dann den Erscheinungstermin um ein halbes Jahr nach hinten schieben, damit der »Märzwinter« der »Machtfrage« nicht völlig das Wasser abgräbt. Leider wurde der Sutton-Verlag 2015 verkauft und stellte nach dem Frühjahrsprogramm 2016 die Regionalkrimis ein.

Gott sei Dank gelang es meinem Agenten aber auch für das nächste Manuskript wieder, einen neuen Verlag zu finden. Diesmal ist es der Berliner Jaron-Verlag geworden, worüber ich mich sehr gefreut habe. Ich denke, ein Berliner Verlag kann einen Berlin-Krimi besser einschätzen und befördern. Außerdem ist der Jaron-Verlag gut vernetzt und sehr engagiert in Berlin.

Auf deiner Homepage habe ich gelesen, dass Lesen für dich sehr wichtig ist. Liest du nur Krimis oder auch etwas anderes?

Eigentlich lese ich hauptsächlich Sachbücher zur Recherche, das heißt zum Beispiel im Moment gerade »Der rote Faden – Grundsätze der Kriminalpraxis« (Hrsg. Clages/Ackermann). Auch das Thema Realitätskonstruktion durch Sprache treibt mich aus aktuellem Anlass gerade um, ein spannendes Buch ist das »Wörterbuch des besorgten Bürgers« (Feustel u.a.). Was hat es zum Beispiel mit dem Konstrukt »Toleranzfaschismus« auf sich? Die Autoren entlarven die Ideologien hinter den Wörtern. – Also, ich bin ein Sachbuchfan. Das habe ich von meinem Papa.

Wenn ich zum Krimi greife, dann sind es oft klassische amerikanische Pulp-Detektiv-Geschichten. Mein Liebling ist der Roman Noir, ich liebe dieses Melancholisch zum Beispiel bei Raymond Chandler. Der Noir spielt mit den Hoffnungen der Menschen. Er gaukelt einem vor, am Ende könnte alles gut werden und lässt den Leser dann zerstört zurück. Die Hauptfigur natürlich auch. Das hat etwas sehr Urbanes, das hat viel mit Berlin zutun. Die Unmöglichkeit von Glück. Das Gefühl, dass einem die zweite – wichtigere – Hälfte abhanden gekommen ist, ist ein sehr berlinisches Gefühl.

Mit Carola Wolf zusammen hast du auch etwas ganz anderes als Krimis geschrieben: „Ladies´ Night“ ist eine Sammlung von sexy Storys. War das nicht schwierig, plötzlich mit jemandem zusammen ein Buch zu schreiben?

Darin habe ich viel Erfahrung. Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren habe ich mit etwa acht (das schwankte) altersgemischten Menschen zusammen einen Thriller über einen Anschlag bei der Fußball-WM 2006 geschrieben. Dieser Text soll demnächst auch erscheinen, er heißt »Tödliches Sommermärchen«. Technisch gesprochen haben wir den Text szenenweise unter uns aufgeteilt und die »Schreibe« im Nachhinein aneinander angeglichen. Besonders das Plotten war immer sehr hitzig, aber auch wahnsinnig kreativ. Hat viel Spaß gemacht. Ich kann das Schreiben zu Mehreren nur empfehlen, man lernt unheimlich viel – übers Schreiben, über Menschen, über Gruppendynamik. Über Kompromisse.

Das Buch »Ladies‘ Night« ist eine wie ich finde sehr gelungene Konstruktion, die meine Freundin und Kollegin Carola Wolff erdacht hat (www.carolawolff.de). Es gibt eine Rahmenhandlung, nämlich die »Ladies‘ Night« in der Bar »Zur grünen Fee«. Dort steht der Teufel hinterm Tresen, und der lässt eine anwesende Schriftstellerin reihum in die Köpfe der anwesenden Gäste schauen und deren sexuelle Fantasien erleben. Die Geschichten stehen also alle mehr oder weniger für sich. Für mich war das eine super Möglichkeit, meine Hauptfiguren für den »Märzwinter« besser kennenzulernen und auszuprobieren, wie sie reagieren. Und es hat viel Spaß gemacht, die ersten Publikumsreaktionen auf die Figuren zu bekommen.

Du scheinst ja die Abwechslung zu lieben: Nach einem Studium, das eigentlich nicht viel mit Werbung zu tun hatte, hast du eine eigene Werbeagentur aufgemacht und dann später ein Stahlbauunternehmen gekauft. Und jetzt schreibst du Krimis. Was kommt als Nächstes? Ein eigener Verlag? Science-Fiction-Romane? Oder wirst du Politikerin?

Politikerin zu sein, würde mich in den Wahnsinn treiben. Die ganzen Egomanen, zu denen Du sehr, sehr nett sein musst! Auweia. Könnte ich nicht. Aber ich hätte Lust, Cockerspaniel zu züchten.

Jetzt mal im Ernst: Ich liebe Projekte. Ich möchte immer ein Projekt haben, das ich möglichst von A-Z selbst gestalten kann. Wir machen viel Stahlbau im Bereich Theatertechnik. Ein guter Kontakt nach Kuwait hat sich in der »Machtfrage« niedergeschlagen. Eine Anfrage des Berliner Fernsehturms gab mir die Idee für den Showdown im »Märzwinter«. Das befruchtet sich also.

Schreiben ist für mich gleichzeitig ein Projekt und ein Meta-Projekt. Die Autorin muss das Buch schreiben (also das Projekt umsetzen), gleichzeitig ist sie »Gott« in ihrem selbst erschaffenen Projekt. Die Sonne scheint, wenn sie es will. Die Joghurtkultur ist rechts- oder linksdrehend, je nachdem, was sie will. Alles hört auf mein Kommando. Das ist cool. Das ist ganz anders als im richtigen Leben. Das ist wie Urlaub, quasi. Also, vielleicht mache ich das mit dem Schreiben noch eine ganze Weile. Und dann erst die Cockerspaniel.

Bist du so ein gut organisierter Mensch, dass du neben deiner Tätigkeit für das Stahlbauunternehmen noch Bücher schreiben, Lesungen halten und dich z. B. in der Volkshochschule Reinickendorf engagieren kannst?

Nein. Ich bin überhaupt nicht gut organisiert. Das gleiche ich mit Fleiß aus. Und ich schlafe weniger als andere. Ich habe aber auch viel Hilfe von Familie und Freunden.

Für die Volkshochschule muss ich eine Lanze brechen. Die tollen »Writers‘ Coaching«-Kurse von Claudia Johanna Bauer an der Volkshochschule Reinickendorf besuche ich seit über 10 Jahren. Ich verdanke Claudia alle handwerklichen Kenntnisse und Fähigkeiten bezüglich des Schreibens. Das miefige Image der verstaubten Volkshochschule trifft in Berlin kein Stück zu. Die VHS Reinickendorf fördert uns angehende Autoren mit Kursen, Lesungsmöglichkeiten und Lesetrainings. Das Beste ist aber, dass man sich hier Woche für Woche mit Gleichgesinnten austauschen kann. Hier findet man Probeleser und Freunde, die sich gegenseitig unterstützen.

Das lässt sich übrigens auch über die Mörderischen Schwestern sagen, wo ich auch Mitglied bin. Ich wünschte, der Tag hätte nicht nur 24 Stunden, dann könnte ich mich da mehr einbringen.

Dein neues Projekt soll etwas mit dem Mond zu tun haben?

Ja, im letzten Jahr gab es in Berlin einen Supermond, der auch noch ein sogenannter Blutmond war – der Mond war sehr groß, der größte Mond seit 70 Jahren, und leuchtend rot. Da fiel mir auf, dass Berlin und der Mond oft miteinander zu tun haben – Volker Kutscher schreibt über den »Lunapark«, die ur-berlinischste Operette von allen heißt »Frau Luna«, usw. Das ist eine gute Grundlage für ein Symbol, das einem Text Tiefe gibt.

Der Mond macht die Leute verrückt. In meinem nächsten Krimi (Arbeitstitel »Mond über Mitte«) ersticht ein Täter im Hühnerkostüm eine Frau namens Dr. Valeria Lunar in einer Autowaschanlage. Klingt lustig. Ist es aber nicht.

Möchtest du den Leser*innen sonst noch etwas erzählen?

Hier kommt noch eine kleine Text-Kostprobe, nämlich der Anfang von »Mond über Mitte«, damit Ihr eine Idee davon bekommt, was und wie ich schreibe:

Warschauer Ecke Revaler Straße wird vor allem gesoffen. Eine Wodkaflasche fliegt auf die Straße, ein Taxi fährt drüber, der Reifen platzt. Das Geräusch geht im allgemeinen Partyvolkgeschwirre unter. Der Wagen fährt einfach auf drei Rädern weiter.

Es ist die dritte tropische Vollmondnacht in Folge, die Martin Sanders mit Observation verbringt. Das dünne Baumwollhemd klebt ihm an Brust und Rücken.

Im Radio sagen sie, dass ein Atlantiktief auf dem Weg nach Berlin ist, im Gepäck ein paar Tonnen roten Saharastaub. Es wird regnen, heißt es. Der Regen wird rot sein, so rot wie der Krimsekt, den die schöne Radiologin Dr. Valeria Lunar dort drüben am Imbiss auf der Ecke aus der Flasche trinkt.

Als Valeria den schönen Raik an sich presst und auf das kantige Kinn küsst, drückt Sanders den Auslöser seiner Kamera. Raik ist zu jung für Valeria und außerdem ein stadtbekannter Scheidungsgrund.

Moral? Muss man sich leisten können. Natürlich übernimmt Sanders jede Art von Scheidungsfällen. Für 50 Euro die Stunde plus Spesen würde er sogar einen Junggesellinnenabschied organisieren, wenn es sein müsste.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei deinen Unternehmungen.

Vielen Dank für die tolle Gelegenheit, mich über mein Lieblingsthema »Schreiben« auszulassen!

Neues Projekt, neues Motto

134a11ee9cc28cb59aecb0af989096f3Ein Exposé schreiben macht keinen Spaß. Muss aber sein. Wie soll man sonst sein neues Projekt jemandem erklären? Und wie soll man sonst wissen, worauf man hinschreibt? Im Krimi ist es wichtig, das Ende zu kennen. Und das mache ich mir beim Schreiben des Exposé immer besonders deutlich.

Ich plane einen neuen Berlin-Krimi. Und die Symbolik soll diesmal – neben einer zentralen Methaper – aus dem Themenbereich rund um den „Mond“ kommen.

In der letzten Woche habe ich das Motto für den Text gefunden und gleich einen Inspirationsschub bekommen – soo schön!

Paridel

He went to the house where the moon lived. She lay upstairs, sleeping on a bed made of ivory and moths‘ wings. He climbed the bone staircase, kissed her white paper mouth, and left.

Nothing changed in the house. But after he left, the night glowed a bright, blood red.

SIAN THOMAS

in: Mini-Sagas, An Anthology of Fifty-Word-Short Stories (Reclam 2007)

Bei dem Motto schreibt sich die Geschichte doch fast von allein …

Neue Lesungstermine 2017

img_1310aIn diesem Jahr geht mein besonderer Dank an die Humboldt-Bibliothek, wo ich oft zu Gast sein werde. Schön, dass es so eine tolle Bühne für uns Reinickendorfer Autoren gibt, und danke für das Engagement! Alle Termine des ersten Halbjahres hier:

https://www.berlin.de/stadtbibliothek-reinickendorf/aktuelles/veranstaltungen/humboldt-bibliothek/einzelveranstaltungen/artikel.350724.php

Die Termine:

„Hilfe, ich möchte veröffentlichen!“ (VHS Reinickendorf)

Nicht wirklich eine Lesung, aber ich schaue vorbei bei einem VHS-Kurs und stehe für die Fragen der Teilnehmer/innen zur Verfügung.

Ankündigungstext des Kurses: „Wer gerne schreibt und auf eine Veröffentlichung hofft, sollte sich über die Abläufe im Literaturgeschäft informieren: Zu welchem Genre gehört mein Text eigentlich? Wie finde ich den richtigen Verlag oder Agenten? Und was ist zu bedenken, wenn ich meine Story auf eigene Faust veröffentlichen möchte? Der Workshop gibt zunächst eine Übersicht über bewährte und aktuelle Genres sowie Tipps zur Verlagssuche. Der zweite Teil vermittelt Hintergrundwissen zu den Arbeitsgängen, die ein Manuskript im Verlag durchläuft; Infos, die jeder Selfpublisher haben sollte, bevor er Lektorat und Satz einer Publikation übernimmt.“

Der Kurs geht über zwei Tage, aber ich komme vorbei am:

Sonntag, 12.2.2017
ca. 15 Uhr

Lehrstätte am Schäfersee, 13407 Berlin, Stargardtstraße 11-13, Raum 109
Anmeldung über VHS Reinickendorf: https://www.vhsit.berlin.de/VHSKURSE/BusinessPages/CourseDetail.aspx?id=441789

Die Schreibwerkschau 2017

Die Schreibwerkschau bietet eine bunte Mischung. Fatales, Bizarres, Groteskes. Vieles, das einen beim Zuhören berührt. Aber natürlich auch Lustiges. Im freien Vortrag. Als szenische Lesung. Oder mal ganz anders. Immer überraschend. Jedes Jahr noch beeindruckender.
Im Mittelpunkt der literarischen Schreibwerkstätten steht das Erlernen und regelmäßige Training des schriftstellerischen Instrumentariums. Dabei sind viele spannende Kurztexte entstanden. Die Autorinnen und Autoren lesen aus ihrer Produktion.

Donnerstag, 9.3.2017
19.30 Uhr
Humboldt-Bibliothek, Berlin Reinickendorf
Karolinenstr. 19
Eintritt 3.- Euro

Buchpräsentation von „Mitternachtsnotar“

Ich stelle meinen neuen Berlin-Krimi „Mitternachtsnotar“ mit Unterstützung des Jaron-Verlages vor:  http://www.jaron-verlag.de/neuerscheinungen.html

Die Veranstaltung wird moderiert von Claudia Johanna Bauer.

Donnerstag, 20.4.2017
19.30 Uhr
Humboldt-Bibliothek, Berlin Reinickendorf
Karolinenstr. 19
Eintritt frei

Die Schreibwerkschau Special 2017

Erfolgsautoren des Writers Coaching Kurses von Claudia Johanna Bauer stellen ihre Bücher/Neuerscheinungen vor.
In diesem Jahr habe ich den „Mitternachtsnotar“ und allerhand Antworten auf Fragen, die Euch vielleicht noch gar nicht eingefallen sind, im Gepäck.

Sonnabend, 15.7.2017
16.30 Uhr
Humboldt-Bibliothek, Berlin Reinickendorf
Karolinenstr. 19

Buchportal zur Hölle

img_20161218_1103452

Die wahre Bedeutung von „Mängelexemplar“? Paß auf:

Ich schreibe hier über ein Taschenbuch von – ? das ist unklar, wir werden sehen – mit dem deutschen Titel „Todesahnung“. Das Cover: Aufschrift „James Patterson – Todesahnung – Thriller – Nr 1 Bestseller – US-Flagge“. Und das Coverbild ist ein Foto: eine amerikanisch anmutende Stadt bei Nacht, im Vordergrund Palmen, im Hintergrund Hochhäuser.

Dreht man das Buch aber um, stellt man fest: Es spielt in New York. Gibt’s da Palmen? Nur im Palmengarten des World Financial Centers, aber na gut. Leser sind ja nette, kompromissbereite Menschen. Also Schwamm drüber.

Schlagen wir das Buch auf. Wir bekommen auf der Innenseite des Umschlags erzählt, dass James Patterson „einer der besten Thrillerautoren der Welt“ (USA Today) sei. „In den letzten Jahren standen 19 seiner Bücher in Folge auf Platz 1 der New York Times Bestsellerliste. Seine Romane wurden in 27 Sprachen übersetzt und erreichten weltweit eine Gesamtauflage von über 150 Millionen Exemplaren.“

Wow. Hut ab. Problem: Mr. P. hat das Buch gar nicht alleine geschrieben. Wir lesen auf Seite 2: „James P. mit Howard Roughan: Todesahnung“

Na gut. Also war das wohl ein sehr schwieriges Buch, dass Mr. P es nicht alleine geschafft hätte, und da hat er halt einen Freund zur Hilfe geholt. Das kann ihm der nette Leser nachsehen.

Also legen wir los mit Lesen. Echt sehr spannend. Eine junge Fotografin, die ein Verhältnis mit ihrem Chef hat, gerät in eine Crime Scene nach einer Schießerei vor einem Hotel. Sie fotografiert vier Leichensäcke. An einem öffnet sich der Reißverschluß und eine blutige Hand erscheint. – Diese erste Szene ist drei Seiten lang, es ist die längste Szene im ganzen Buch. Im weiteren Textverlauf sieht und fotografiert die Fotografin tote Menschen und dreht zunehmend durch.

Der Text wird dargeboten in 14 „Teilen“ und 111 Szenen auf 348 Seiten.

Das geht wie folgt: Eine Szene ist 1 1/2 Seiten lang und endet mit einem „falschen Cliffhanger“. Hatte ich auch vorher nie gesehen. Die Szene endet mit einem Cliffhanger, man macht zur Auflockerung der Finger ein bisschen Blättergymnastik und blättert um zur nächsten Szene, die eine Seite danach mit einer großen (sehr großen) grauen fortlaufenden Zahl beginnt. Und in der neuen Szene geht der Text dann aber nahtlos und in derselben Perspektive und demselben Erzählzusammenhang weiter, d. h. es wird stringent erzählt und der vermeindliche Cliffhanger sofort wieder aufgelöst. Die Unterteilung in vermeindliche Erzählabschnitte ist nichts als ein grafischer Trick, der uns zum Umblättern bringen soll. Bäh. Fingersport. Billig, aber es funktioniert. Zum Schluß bin ich gespannt wie ein Flitzebogen, wie die Autoren das mit den toten Menschen in Manhattan auflösen (und das mit den Palmen). So. Und? Was passiert?

Seite 339: Die Schießerei im Hotel vom Buchanfang wird „live“ präsentiert, die Fotografin wird an- oder erschossen (zunächst denke ich er-, dann ist es doch an-?). Ein toter Polizist erscheint und eröffnet ihr: Sie war ein sehr sehr sehr böses Mädchen. Finger weg vom Chef. Und das Hotel ist übrigens ein Portal zur Hölle.

Da passiert es: Meine Nette-Leser-Flexibilitätsgrenze ist überstrapaziert. Sprechen wir nicht über Formulierungen wie „Ich habe solche Angst“. Sprechen wir darüber, dass die Heldin kurz vor Schluß denkt: „Jetzt ist mir alles klar.“ Mir nämlich auch, und zwar, dass ich es mit Erweckungsprosa der übelsten Sorte zutun habe. Denn die an- oder erschossene Fotografin blutet seitenlang das ganze Hotel voll und bereut. Was? Dass sie anderen Menschen „wehgetan“ hat. So. Und prompt erscheint eine Notärztin wie ein rettender Engel und verkündet: „Die Frau lebt noch!“ -Ende des Textes.

Etikettenschwindel! Ich will meine 10 Euro wiederhaben! Ich will keine biblische Erlösungsgeschichte hören, wenn auf dem Buch Thriller draufsteht! Ehrlich gesagt will ich überhaupt nix Übersinnliches in einem Thriller hören, es sei denn, das wird mir vorher angekündigt. Das ist für mich ein Taschenspielertrick für Autoren, denen keine Auflösung für ihre Story einfällt. Ich fühle mich, als sei ich auf dem Weg durchs Naturkundemuseum falsch abgebogen und in der Show eines schmierigen Amateurzauberers gelandet. Unter Palmen. Wo ich nicht hinwollte. Das ist Betrug am Leser, das Buch „liefert“ nicht, was es verspricht. Also ein klassisches Mängelexemplar von einem Bestseller und bestenfalls Papierverschwendung. Schlimmstenfalls verfestigt sich beim Leser die qualitative Vorstellung, dass so Thriller sein sollten/müssen/immer so sind/so hingenommen werden müssen.  Damit würde man sich mit so einem Buch selbst ins Knie schießen. Denn wer läßt sich schon gerne ver***schen? Nach diesem Literaturgenuß kauft der nette Leser vielleicht keinen James Patterson mehr. Vielleicht gar keinen Thriller. Sondern gleich die Bibel.

– Na? Bereut schon jemand? Dann kommt auch gleich die Notärztin. Versprochen!

Frohe Weihnachten …

… und ein tolles Neues Jahr 2017 für alle!

Hier ein kleiner fotografischer Rückblick auf meine literarischen Highlights 2016:

img_0115

Ich verstecke mich auf der Leipziger Buchmesse im März 2016 hinter einer Topfpflanze

img-20160309-wa0000Auch im März 2016: Lesung im tollen Veranstaltungsraum der Dorotheenstädtischen Buchhandlung bei Buchhändlerlegende Klaus-Peter Rimpel! Danke!

http://www.dorotheenstaedtische-buchhandlung.de/

img_0955

Oktober 2016: Lesung am Originalschauplatz des Berlinkrimis „Märzwinter“: in der Pizzeria Mediterraneo! Ein sehr netter Abend, danke an das ganze Pizzeria-Team für die Chance!

http://030-3975577.de/

img_0983-ajpg

Lesung zum Tag der Bibliotheken am 25.10.16 in der Polizeibibliothek Berlin mit viel Publikum, cooler Deko und selbstgemachtem Buffet, danke an die „Mörderischen Schwestern“ fürs Möglichmachen!

http://www.berlin.de/polizei/service/polizeibibliothek/

img_0506

Im August mit Carola Wolff auf dem Edinburgh Book Festival in Schottland, wo mir einer der roten Schirme auf den Kopf fiel – aber sonst war es bombastisch!

https://www.edbookfest.co.uk/

http://carolawolff.weebly.com/

(Thank you for beeing a friend …)

 

 

 

Babyblues …

 

vermietung_spreeterrasseIch habe ein Buch „fertig“. Hurra! Fertig! – Na ja. Fertig ist halt immer relativ. Und will man eigentlich fertig sein? Ich vermisse meine Hauptfiguren. Martin Sanders?! Bleib bei mir! – Ehrlich, dieser Typ geht mir überhaupt nicht mehr aus dem Kopf. Da hilft nur: weiterdenken. Und da kommt dann eine Ahnung von einem weiteren Anfang heraus, und die geht so:

Blue Curacao, rote Wangen, alte Geschichten in Schwarzweiß. Sanders lehnt am Geländer der Restaurant-Terrasse und schaut auf die Spree. Es ist der Abend des 13. August, Libbys Geburtstag und gleichzeitig »Tag des Mauerbaus«. Genau mit dem für diesen Tag typischen Berliner Gefühl, seine zweite wichtigere Hälfte verloren zu haben, läuft die Geburtstagsparty an Sanders vorbei. Er kann die Haltung und Ausstrahlung eines Bundesjustizministers nicht ablegen, selbst in einem Moment, in dem eher die Spritzigkeit eines Viva-Moderators angesagt wäre. So, wie Viktor sie hat.

Der schöne Viktor von Ribnitz lacht und plaudert und flattert um Libby herum wie ein Stylist um ein Topmodel. Auf dem Hemd unter Viktors Sakko steht: I’m Too Sexy for my Shirt. In diesem Typen faucht der Lebensmut wie ein Bunsenbrenner. Sanders‘ Flamme hingegen flackert herbstlich kalt wie der frühe Sonnenuntergang im Schlammgrau der Spree.

Er lässt Viktor nicht aus den Augen. Vielleicht ist das hier nun endlich der Mann, der Libby mit sich fort reißen wird und in dessen Windschleppe sich Sanders‘ Lebenslicht in kalten Rauch verwandeln wird. Vielleicht. Jedenfalls kann von Ribnitz Discofox, Funkelaugen und dieses Geburtstagslachen, als hätte er zufällig Geld in seiner alten Anzughose gefunden.

Jedes Wort hat Folgen. Jedes Schweigen auch. Das ist Jean-Paul Satre, aber außer einem Schluck Single Malt hat Sanders dem heute abend nichts hinzuzufügen.

Sanders sieht herzzerreißend gut aus. Viktor auch. Ich trink noch ein Glas Sekt, ich hab viel Glück gehabt in den letzten 32 Jahren, es ist eine schöne Party, und die beiden bestaussehenden Männer Berlins sind zu Gast – der eine dunkel, der andere lichtblond. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden ist, dass sich für Sanders das Wort »Lebensgefährtin« von »Lebensgefahr« ableitet, während Viktor mir vor zehn Jahren schon mal einen Heiratsantrag gemacht hat. Und heute abend drei weitere.

Impression von der Schreibwerkschau Special am 11. Juli 2016

„Ich bin gerade zurück aus Sao Paulo, im Gepäck zwei Pullen Duty-Free-Chanel fürs Fest …“

dsc_1922Meine arme Hauptfigur, die freche Stewardess Liberty Vale, ahnt noch nicht, was ihr blüht, als es mit dem „Märzwinter“ losgeht. Aber ich ahne: Es wird wieder ein ausgesprochen netter und interessanter Abend in der Humboldt-Bibliothek. Das Publikum ist immer sehr interessiert an den ersten Schritten der „VHS-Erfolgsautoren“ http://www.carolawolff.de, http://www.andersalborg.de, http://www.heike-franke.com und mir. Wir können mit einigen Mythen aufräumen (zum Beispiel, dass Schreiben reich macht 🙂 oder dass eine Veröffentlichung auf Amazon gut ist für die Verlagssuche). Danke, dass wir wieder in der HuBi zu Gast sein durften! Ich hoffe auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr.